Brahmaviharas

Die vier Brahmaviharas sind universelle innere Haltungen uns selber, andern Menschen oder dem Leben gegenüber, die in der buddhistischen Geistesschulung systematisch geübt werden. Sie werden auch göttliche oder himmlische Aufenthaltsorte genannt.

Die erste Qualität Metta umfasst verschiedene Bedeutungen, z.B. liebende Güte, Freundlichkeit, Verbundenheit, Akzeptanz, nicht wertende, einschliessende Präsenz und Toleranz. Die Metta-Meditation entfaltet die Kräfte der Liebe und des Mitgefühls. Die altruistische Motivation wird zum Wohle allen Lebens kultiviert. Dabei wird eine Haltung von Offenheit und Respekt in der Beziehung zu sich selbst und zu anderen entwickelt. Das Entwickeln einer altruistischen Motivation ist ein wesentlicher Aspekt der Praxis.

Die zweite Qualität ist Karuna – Mitgefühl. Wenn wir in einer inneren Haltung des Wohlwollens und der liebenden Güte auf Leiden treffen, dann reagiert unser Herz mit Mitgefühl. Wir lassen uns berühren vom Leiden, sei es unser eigenes oder das eines anderen Lebewesens. Es entsteht der Wunsch, das Leiden zu lindern oder zu beenden.

Die dritte Qualität ist Mudita. Es ist die Fähigkeit, die Freude, das Wohlergehen und das Glück anderer Wesen wertzuschätzen und uns so mitfreuen zu können. In der Mudita-Praxis beziehen wir uns selber mit ein und freuen uns an unseren eigenen positiven Absichten, Fähigkeiten und Handlungen.

Die vierte Qualität ist Uppekha, was so viel bedeutet wie Gleichmut, heitere Gelassenheit, Unparteilichkeit und Besonnenheit. Es ist eine Fähigkeit des Herzens und des Geistes, die allem gelassen und offen begegnen kann, ob dies nun gleichzeitig, eine erwünschte und angenehme Erfahrung ist oder nicht. Gelassenheit gibt den andern Brahmaviharas die Möglichkeit, sich ganz zu entfalten und ist ein wichtiger Teil, ja sogar ein Resultat der echten Vipassanapraxis.
Diese vier Geisteshaltungen sind unsere Grundnatur. Sie sind uns innewohnend, werden aber oft verdeckt von negativen Zuständen von Herz und Geist. Bei der Brahmavihara-Praxis geht es darum, sich wieder mit dieser inneren Haltung vertraut zu machen, uns für das Wohltuende, Heilende neu zu öffnen und uns darin niederzulassen.

Das Praktizieren der Brahmaviharas ist ebenso schwierig, wie auf den eigenen Atem zu achten oder den Fluss der eigenen Gedanken zu beobachten. Aber es ist ein überaus wirkungsvoller Weg, ein fundamentaler Weg, um Geist und Herz zu öffnen. Aus dieser Saat erwachsen wahres Glück, inneres Wohlbefinden und Genesung für uns und für alle Lebewesen, menschliche und andere – ein jedes ein Wunder, mit denen wir diesen zerbrechlichen Planeten Erde teilen.
Jon Kabat-Zinn

Mit der Mettapraxis pflegen wir das Gute, und das bedeutet, die strahlende Macht der Liebe wiederzuerlangen, die in uns allen verborgen liegt. In einem erwachten Leben werden wir die begrenzenden Auffassungen, die wir von unseren Möglichkeiten haben, grundsätzlich revidieren. Wenn wir sagen, dass wir das Gute pflegen, dann heisst das, dass wir uns eine offene Sicht davon machen, was für uns möglich ist, und durch die Meditation können wir in den Erfahrungen, die wir in jedem Moment machen, die visionäre Erkenntnis pflegen.
Sharon Salzberg